Verständliche Sprache statt „heiliges Rauschen“

Fortbildung in Frankfurt und Tipps für die Praxis

 

„Leichte Sprache im Gottesdienst“: Diesem Thema widmete sich eine Wochenendfortbildung im August 2025 in Frankfurt. Über zwanzig Lektor:innen und Prädikant:innen folgten der Einladung ins inklusive Tagungshaus „Hoffmanns Höfe“. 

Die Leitung lag in den Händen von Pfarrer Marcus Kleinert, als Referent:innen waren dabei: Ursula Starke als kirchenmusikalische Kollegin aus dem Zentrum Verkündigung sowie Dr. Raimar Kremer und Pfarrerin Christiane Esser-Kapp vom Zentrum Seelsorge und Beratung. Sie gaben hilfreiche Informationen weiter und praktische Tipps. Und sie ermutigten zum Ausprobieren, um viel voneinander zu lernen.


Der Freitagabend stand im Zeichen der Musik, die bekanntlich nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen verstanden wird. „Shalom und Salam, Grüß Gott und Namaste, herzlich Willkommen, schön, dass ich dich seh“: Zu diesem internationalen Gruß passen Gesten wie Winken oder Hände aneinander legen. Ursula Starke zeigte, wie man Lieder wie diese einführen und zum Mitmachen anregen kann. Vorgestellt wurde eine bunte Auswahl aus dem kleinen blauen Gesangbuch „Menschenskinderlieder“, erhältlich über das Zentrum Verkündigung.


Rund ums Kirchenjahr, zu verschiedenen Anlässen und Teilen der Liturgie findet man darin Lieder, die leicht mitzusingen sind. Wobei der „Seufzerwalzer“ sogar ohne Worte auskommt. Wie leise oder kraftvoll gerade gesungen werden sollte, lässt sich am Arm zeigen, der quasi als Lautstärke-Regler dient. Zum Zweifeln passt „Hast du uns vergessen, Gott?“, Hoffnung spricht aus: „Du Gott schützt mich, du Gott stärkst mich“. Auch bekannte Kirchenlieder lassen sich neu erleben, etwa wenn Lob und Dank begleitet werden mit einem großen Schwungtuch.

Auch Pfarrerin Christiane Esser-Kapp machte deutlich: Leichte und einfache Sprache ist ein wichtiger Beitrag zur Inklusion, damit alle an kirchlichen Angeboten teilhaben können. Auch spielerisch wurde ausprobiert, wie man kirchliche Begriffe einfacher erklären kann, ohne viel Vorwissen vorauszusetzen: Gut ist an das anzuknüpfen, was viele schon kennen und konkret zu werden. Das gilt auch im Alltag: statt „öffentlicher Nahverkehr“ also besser „Bus und Bahn“. „Worte bauen eine Brücke zwischen Kopf und Herz“, sagte die Referentin und gab Tipps:

  • kurze Sätze – maximal zehn Wörter
  • eine Botschaft pro Satz und möglichst keine Nebensätze
  • auch Halbsätze sind erlaubt, z.B. „Jesus hat viele Geschichten erzählt. Von Gott.“
  • das gleiche Wort für die gleiche Person oder Sache verwenden
  • keine Fremdwörter, Abkürzungen, Konjunktive, Redewendungen, Floskeln
  • anschauliche Beispiele statt Abstraktes
  • Zeitform Präsens oder Perfekt, z.B. „er sagt“ oder „er hat gesagt“
  • aktiv schreiben statt passiv, z.B. statt „die Feier“ sagen „wir feiern“


Leichte Sprache im Gottesdienst bedeutet nicht, Inhalte zu „verflachen“. Vielmehr geht es darum, die Essenz zu finden und Botschaften zu kombinieren mit Alltagserfahrungen. Bilder können kraftvoll sein, doch sie sollten geeignet und verständlich sein, damit sie nicht irritieren. Daher besser nicht vom „überlaufenden Becher“ oder vom „atmenden Herz“ reden. 

Auch ältere Wendungen wie „Gottes Fittiche“ sind nicht allen geläufig. Hier sind Übertragungen hilfreich: „Gott ist wie eine Vogelmutter, die ihre Kinder unter den Flügeln schützt.“ Sinnvoll ist, bei einem anschaulichen Bild zu bleiben, damit es wirken kann. 

Vertraute Texte wie Vaterunser oder Psalm 23 können von vielen aus Kopf und Herz mitgebetet werden – hier ist es oft besser, bei der gewohnten Fassung zu bleiben. Bei anderen Psalmen oder Lesungstexten bietet es sich an, zentrale Inhalte leicht verständlich zu formulieren. In Schreibübungen, ob allein oder in kleinen Gruppen, wurde das ausprobiert, Textpassagen wurden dann im Plenum vorgestellt.


Sprechweise und Auftreten spielen ebenfalls eine Rolle. Zu empfehlen sind ruhiges Tempo, deutliche Aussprache, genügend Pausen, freundliche Gestik und Mimik. 

Schriftliche Texte, die verteilt werden, lassen sich barriereärmer gestalten durch große, serifenlose Schrift (wie Arial oder Verdana, mindestens 14 Punkt), und Hervorhebungen durch Farbe und Doppelpunkte. Die Inhalte sollten gut strukturiert werden. Tipp: Besonders Wichtiges an den Anfang stellen.


Zum Abschluss am Sonntag feierten die Teilnehmenden einen „Patchwork-Gottesdienst“: ein kreatives Format, bei dem jede und jeder etwas beitragen konnte, ob für die Liedauswahl, als Psalm, Gebet, Lesung, Meditation oder Segen. Das verbindendes Motiv waren dabei Perlen.


„Etwas leicht zu sagen ist ganz schön schwer“, war eine Erkenntnis zum Ende der Fortbildung. Auch Marcus Kleinert zog Resümee: „Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren tut allen gut.“

Nicole Weisheit-Zenz