Kleine Gottesdienstformen

Praxis-Beispiel aus Bingen 

 

 

 

Manchmal braucht es nicht viel, um Gott zu begegnen: Ein stiller Raum, eine Kerze, Musik. Beim Impuls- und Begegnungstag „Spirituelle Kirche 2030“ im Geistlichen Zentrum Nieder-Weisel stellte Pfarrerin Tanja Brinkhaus-Bauer im Workshop „Kleine Gottesdienstformen für den Nachbarschaftsraum“ das Format „10-vor-7-Gottkontakt“ vor. 

Es stammt aus der evangelischen Johanneskirche in Bingen, wo es freitags gefeiert wird: Ab 18.30 Uhr erklingt Musik, Kerzen werden entzündet, um 18.50 Uhr beginnt der Gottesdienst offiziell, ohne große Anforderungen. Kein Talar, kein „muss“, sondern Menschen aus der Gemeinde können ihn leiten – auch ohne Hauptamtliche. 


Formate wie diese können mit ruhiger Musik beginnen, um beim Ankommen zu vermitteln „kein lautes Quatschen, bitte“. Als schlichtes Votum bietet sich an: „Gott ist da. Wir sind da. Das genügt.“


Dann Worte zum Ankommen: „Wir kommen in die Kirche und kommen zur Ruhe. Wir treten aus dem Alltag heraus. Wir müssen nichts leisten. Unser Atem darf kommen und gehen.“


Ein kurzer geistlicher Impuls folgt – nicht als Predigt, sondern als Gedanke, der Raum lässt: ein Bild, ein Vers, eine Frage. Etwa: „Wie ist es, wenn…“, „wie fühlt es sich an, wenn…“ Also weniger Worte, mehr Weite. Nicht alles erklären, sondern etwas in Bewegung bringen und die Fantasie anregen.


Ein Liedruf – vielleicht „Ausgang und Eingang“ (EG 175) oder „Schweige und höre“ (EG+ 56) – führt in die Stille. Oft wird das Glockenläuten zum Herzstück. Gemeinsam zu schweigen kann verbinden und als wohltuend erlebt werden. Die Leitung sollte dabei präsent bleiben und ansagen, was kommt, damit niemand sich fragt, wann und wie es weitergeht.


Auch die Fürbitten folgen dieser Einfachheit, offen und mit Raum für Stille, etwa wie in Bingen:


„Gott, du hast uns in dieser Woche mit vielen beschenkt. Manches ist uns so selbstverständlich, wir haben es gar nicht bemerkt. Wir besinnen uns und bringen dir unseren Dank in einen Moment der Stille.“


„Gott, diese Welt macht uns viele Sorgen und auch in unserem persönlichen Leben gibt es Dinge, die wir beklagen, die uns Angst machen und wo wir uns deine Hilfe wünschen. Wir bringen dir das, was uns heute besonders beschäftigt, in einem Moment der Stille.


„Wir legen dir Menschen ans Herz, an die wir heute besonders denken, und nennen dir in der Stille ihre Namen.“


Danach folgen das Vaterunser, kurze Mitteilungen und der Segen zum Abschied, erklärte die Referentin. Ihr Tipp: Einfach ausprobieren und variieren, mit Blick darauf, was für die eigene Gemeinde geeignet sein könnte, ob inhaltlich oder bei Wochentag und Uhrzeit.

Bericht von Nicole Weisheit-Zenz zum Workshop
zum 2. Impuls- und Begegnungstag 
„Spirituelle Kirche 2030“ am 2. Oktober 2025 
im Geistlichen Zentrum Nieder-Weisel